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Le Havre für Fans der modernen Architektur

In der normannischen Hafenstadt Le Havre kommen Fans der modernen Architektur auf ihre Kosten: Betonbauten mit Stil bestimmen das Stadtbild, breite Boulevards mit viel Grün, große Plätze mit klaren Linien. Le Havre wurde durch die Bombardierung der Alliierten im Jahr 1944 fast völlig zerstört und dann nach den neuen Prinzipien der Stadtentwicklung mit Stahlbeton errichtet. Seit 2005 steht das Zentrum von Le Havre auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, als gelungenes Beispiel für eine wiederaufgebaute Stadt.

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Vor dem Rathaus von Le Havre: Fototafeln zum 20-jährigen Jubiläum UNESCO-Weltkulturerbe | Foto: Hermann Lehna

Deutsche Besatzung und Bombardierung durch die Alliierten

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Le Havre: Notre-Dame 1945 | Foto: Marcel Maillard/nutrisco, Bibliothèque municipale du Havre

Im Zweiten Weltkrieg zogen 1940 deutsche Truppen in Le Havre ein. Eine deutsche Garnison wurde eingerichtet und der Hafen zur Festung ausgebaut. Nach der Landung der Alliierten am 6. Juni 1944 zogen sich die deutschen Truppen zurück, Le Havre jedoch sollte gehalten werden. Nach mehreren Luftangriffen und einem Flächenbombardement nahmen schließlich die Alliierten Le Havre am 11. September 1944 ein. 82% der Bausubstanz der Stadt war zerstört, 31.000 Menschen waren obdachlos geworden.

Auguste Perret und der Wiederaufbau

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Notre-Dame 2025 | Foto: Hermann Lehna

Sobald der Krieg zu Ende war, startete der Wiederaufbau der Stadt. Unter der Leitung des Architekten, Bauunternehmers und Stadtplaners Auguste Perret (1874 – 1954) setzte ein Team von 60 Architekten eine moderne Vision der Stadtentwicklung um. In den Jahren 1945 bis 1964 entstand nach einem einheitlichen Konzept eine Blockbebauung aus Stahlbeton mit breiten Boulevards, großen Achsen und Plätzen. Die Bauteile wurden schnell und kostengünstig in Serien gefertigt.

Das Prinzip: Im Erdgeschoss sind Ladengeschäfte vorgesehen, mit Lagerräumen im darüberliegenden Mezzaningeschoss. Ein Vorsprung kennzeichnet den Übergang zu den drei Wohngeschossen, ein Flachdach bildet den Abschluss. Die bodentiefen Fenster reihen sich im gleichen Abstand, dezente antikisierende Elemente schmücken die Fassaden und Gänge der Häuser von außen. Die Innenhöfe lassen den Lärm der Stadt außen vor.

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Am Quai Southampton: Typische-Perret-Bauten und im Hintergrund der Glockenturm von Notre-Dame. | Foto: Britta Lehna
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Im Maison du Patrimoine werden Ausstellungen gezeigt. Dort bucht man auch Führungen durch das Appartement Témoin.
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Monument historique | Fotos: Britta Lehna

Licht, Luft, Raum und Ruhe

Auguste Perret wollte den Bewohnern seiner Häuser Licht, Luft, Raum und Ruhe geben. Wie das in den Wohnungen gelungen ist, kann man besichtigen: im Appartement Témoin Perret. Tatsächlich sind die Räume lichtdurchflutet. Wohnräume, Badezimmer, Einbauschränke und Einbauküche – alles ist gut durchdacht und ästhetisch zugleich.

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Im Appartement Témoin Perret: Betonpfeiler …
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… Einbauschrank, Dielenleuchte | Fotos: Britta Lehna

Weitere Highlights in der Betonstadt sind das Rathaus mit Turm und Theater und die Kirche Saint-Joseph mit achteckigem Zentralturm und knapp 13000 Glasfenstern. Über die prächtige Avenue Foch, die Autos, Radfahrern und Fußgängern großzügig Platz und dazu viel Grün bietet, geht es zur Porte Océane. Hier öffnet sich die Stadt zum Meer, mit einer breiten Strandpromenade.

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In einige Fassaden der Avenue Foch sind thematische Steinreliefs eingefügt: rechts die Personifikation der Malerei mit Namen zeitgenössischer Künstler aus Le Havre, u.a. Raoul Dufy. Die Seitenstraße wird überragt von St.-Joseph. | Fotos: Britta Lehna
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Ein Wahrzeichen von Le Havre: der Turm der Kirche St.-Joseph. Quer verläuft die Avenue Foch, die nach rechts zur Porte Océane führt. | Foto: Hermann Lehna
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Blick durch die Porte Océane, die sich zwischen zwei Häuserblocks öffnet, in Richtung Strand. | Foto: Hermann Lehna

Oscar Niemeyers Vulkan

Von 1978 bis 1982 wurde nach Entwürfen des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer (1907-2012) am Bassin du Commerce ein außergewöhnliches Kulturzentrum errichtet. Wegen seiner Form eines abgeschnittenen Vulkankegels trägt es mittlerweile den Namen „le Volcan“. Der Architekt hat einen Theatersaal, eine Bibliothek, Cafeteria, den vertieftem Vorplatz und Rampen als Ensemble gruppiert. Mit seinen gekurvten Umrissen – und seit der Sanierung 2015 blendend weiß – steht le Volcan in auffälligem Kontrast zu den rechtwinkligen Gebäuden rings herum.

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Blick über das Bassin du Commerce zum Kulturzentrum Le Volcan | Foto: Hermann Lehna
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Le Volcan: Theatersaal, Bibliothek, Cafeteria, vertiefter Vorplatz und Rampen | Foto: Hermann Lehna

Bis heute wirkt Auguste Perrets Idee der Stadtentwicklung: Le Havre bietet Licht, Luft, Raum und Ruhe; dazu viel Wasser und eine lässige Großzügigkeit.

Im Maison du patrimoine kann man mehr über die Stadtgeschichte von Le Havre erfahren und Tickets für die Führung im Appartement Témoin Perret buchen:
Rue de Paris 181, 76600 Le Havre
https://www.lehavreseine-patrimoine.fr/la-maison-du-patrimoine
maison-patrimoine-info@lehavre-etretat-tourisme.com

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