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Die Königliche Saline in Arc-et-Senans – erbaut von Claude-Nicolas Ledoux

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Amphore mit Sole | Foto: Hermann Lehna

Der Auftritt ist monumental: Mitten in der grünen Hügellandschaft der Region Bourgogne Franche-Comté, 35 Kilometer südwestlich von Besançon, liegt die Königliche Saline von Arc-et-Senans, erbaut von Claude-Nicolas Ledoux . Von außen ein riesiger halbrunder Gebäudekomplex aus Kalkstein, den man durch ein Portalgebäude mit Säulen und einer imitierten Grotte betritt. Ganz klar: Hier geht es um das Salz!

Salz und Saline

Salz war früher ein kostbares Gut, es wurde auch „weißes Gold“ genannt. Die Salzproduktion wurde von den Landesherren mit hohen Steuern belegt und war eine wichtige Einnahmequelle. In der Franche-Comté gab es zahlreiche salzhaltigen Quellen und Salinen. Die Anlagen waren stets ummauert, um Diebstahl zu verhindern. Und sie brauchten Platz, um die Brandgefahr beim Siedeprozess zu vermindern.

1771 wurde Claude-Nicolas Ledoux (1736 – 1806) Bevollmächtigter für die Salzbergwerke in der Region. Er unternahm eine Inspektionsreise, kam zur Saline von Salins und stellte fest: Eine neue Anlage musste gebaut werden, die mehr Produktivität versprach. Er plante diese neue Königliche Saline zwischen den Dörfern Arc und Senans, am Rande des großen Waldes von Chaux, der auch ausreichend Holz für die Produktion liefern sollte. Der Rohstoff Salzwasser sollte künftig von Salins über Rohrleitungen – zunächst aus Holz, später aus Guss – über rund 20 Kilometer nach Arc-et-Senans geführt werden.

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C.N. Ledoux Die Saline von Chaux (= Arc-et-Senans) | Foto: via Wikimedia Commons, gemeinfrei

König Ludwig XV., Herr über sämtliche Salinen Frankreichs, verordnete das Projekt im April 1773. Ein Jahr später legte Ledoux seinen ersten Entwurf vor, am 15. April 1775 war Baustart. Nach drei Jahren war die Anlage, die sich über gut 10 Hektar erstreckt, vollendet. Die Salzproduktion begann 1778 und wurde 1895 eingestellt. Von Anfang an gelang es nicht, die gewünschte Menge zu gewinnen. Die Sole war nicht gehaltvoll genug. Wer weiß, wieviel Solewasser noch auf dem langen Weg von der Quelle in Salins über den 21 Kilometer langen „Saumoduc“ zur Siederei in Arc-et-Senans versickerte!

Spektakuläre Architektur von Claude-Nicolas Ledoux

Die Produktion ist zwar beendet, doch die Bauten der Königlichen Saline gelten heute als das Hauptwerk des Architekten Claude-Nicolas Ledoux. Die Saline ist eines der bedeutendsten realisierten Bauprojekte der sogenannten Revolutionsarchitektur und ein Denkmal frühindustrieller Produktion. Die Anlage wurde 1982 von der UNESCO in das Verzeichnis des Weltkulturerbes aufgenommen, 2009 erweitert um die große Saline von Salins-les-Bains (Departement Jura).

Wenn man durch das Portalgebäude mit Säulen und Salzgrotte getreten ist, gelangt man in einen riesigen halbkreisförmigen Hof von 225 Metern Durchmesser. Zehn Pavillons umstehen ihn.

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Der Innenhof des Gebäude-Ensembles in Arc-et-Senans
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In der „Salzgrotte“ vor dem Eingangsgitter
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Die Schmiede in der Saline
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Die Zollschreiberei in der Saline | Fotos: Hermann Lehna
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Blick durch das Gitter des Eingangsportals auf das Haus des Direktors | Foto: Britta Lehna

Die zentrale Blickachse ist auf das Haus des Direktors gerichtet: ein mächtiger Portikus mit bossierten Säulen, innen ein großes Treppenhaus und eine Kapelle. Links und rechts von diesem Gebäude sind die Salzwerkstätten angesiedelt.

Im Halbkreis kommen die Salzsteuergebäude mit den Verwaltungsräumen und den Wohnungen der Vorarbeiter hinzu. Weitere Pavillons waren als Werkstätten und als Wohnungen mit Gemeinschaftsküche geplant. Gärten und Stallungen ergänzen den Komplex, das gesamte Anwesen ist von einer hohen Mauer umgeben.

Die Außenfassaden sind schlicht, weitgehend wird auf Schmuckformen verzichtet. Die Portale sind verschieden aufwendig gestaltet. Die angedeutete Salzgrotte am Eingang und sparsam eingesetzte steinerne Amphoren, aus denen plastisch die stilisierte Salzsole fließt, setzen Akzente.

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„Salzgrotte“ am Eingangsportal | Foto: Hermann Lehna
Was will uns diese Architektur von Ledoux sagen
  • Die Saline ist nicht nur eine Produktionsanlage. Es geht auch um die steingewordene Darstellung von Gesellschaft und Politik – um Macht.
  • Das „Haus des Direktors“ steht im Zentrum: Der Direktor handelt im Auftrag des Königs, er hat den Überblick über alles und jeden. Sogar der Gottesdienst findet in seinem Haus statt. Die absolute Überwachung!
  • Die Hierarchie zeigt sich auch Formgebung der Pavillonportale – je wichtiger, umso aufwändiger gestaltet: Direktor-Wache-Verwaltung-Produktion-Arbeiter.
  • Gleichzeitig will der Architekt Ledoux auch das Leben in der Gemeinschaft fördern: Wohnungen mit Gemeinschaftsküche, der Innenhof und die Gärten.
  • Claude-Nicolas Ledoux war nicht nur Beauftragter des Königs, er lebte auch in der Epoche der Aufklärung. Seine Auffassung von Architektur ist für seine Zeit visionär.
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Säulenstellung am Haus des Direktors | Foto: Hermann Lehna

Der Architekt träumte sogar davon, bei der Saline eine ideale Stadt namens Chaux anzulegen, die eine neue Gesellschaftsordnung widerspiegeln sollte. Diese Vorstellungen hat er in einem umfangreichen Traktat vorgestellt und erläutert.

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C. N. Ledoux: Die ideale Salinenstadt Chaux | Foto: via Wikimedia Commons, gemeinfrei

Die Königliche Saline heute

Das Museum für den Architekten Claude-Nicolas Ledoux

Das Musée Ledoux im vorderen Bereich der Saline würdigt den Architekten und seine Werke mit zahlreichen Plänen und Modellen. Erwähnt sei sein Theater von Besançon (1779) und, als letztes realisiertes Projekt, die Zollhäuser von Paris (1785). Diese wurden größtenteils in der Französischen Revolution zerstört. Eines der vier erhaltenen ist die Rotonde de la Villette, Paris, 19. Arrondissement.

Mit der Französischen Revolution war das bauliche Schaffen von Ledoux beendet. 1793 wurde er in Haft genommen, entging aber der Hinrichtung durch die Revolutionstribunale. Gefördert von Gönnern, widmete er sich der Aufarbeitung seines Gesamtwerkes und der Architekturtheorie und veröffentlichte 1804 sein Werk „L’architecture considérée sous le rapport des arts, des mœurs et de la législation“ mit zahlreichen Abbildungen seiner Projekte (online auf dem Portal „Gallica“ der Bibliothèque nationale de France).

Viele der Entwürfe von Claude-Nicolas Ledoux wurden nicht umgesetzt; umso interessanter ist es, hier im Museum durch die Modelle eine plastisch vermittelte Vorstellung von seinen zukunftsweisenden Ideen zu bekommen.

Kulturelle, gastronomische und gärtnerische Nutzung der Saline heute

Im Haus des Direktors kann man sich in einer Ausstellung über die Salzherstellung von einst und heute informieren. Wer will, kann auf seinem Rundgang ein sogenanntes Histopad nutzen und erläuternden Texten lauschen.
Weitere Gebäude werden für die Cafeteria und die Buchhandlung genutzt. Ein Hotel und ein Restaurant ergänzen das Angebot, der ambitionierte Konzertsaal (salle Claude-Nicolas Ledoux in dem Gebäudeflügel Berne Est) bietet Raum für musikalische Events.
Die den Gebäudekomplex umgebenden Gärten sind aufwendig und sehr abwechslungsreich gestaltet. Hinter der Saline, den Halbkreis zum Kreis komplettierend, sind die neuesten Gartenteile angelegt worden. Die Gesamtanlage des „Cercle immense“ nimmt damit Ledoux’ Konzept der kreisförmigen Idealstadt Chaux auf.


Nachleben Ledoux’ an der Autobahn

Unweit der Saline Royale überrascht die Autobahn-Raststätte Aire du Jura an der A 39 bei der Ortschaft Arlay mit postmodernen Gebäuden, die Ledoux-Entwürfen nachempfunden sind.

Als Beton-Konstruktionen finden sich hier der „Pavillon des cercles“*, die „Porte de Bourneville“ und ein weiteres Kleingebäude.

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Nachbau des „Pavillon des Cercles“ von C. N. Ledoux auf der Aire du Jura an der A 39 | Foto: Hermann Lehna

Die Porte de Bourneville ist ein nicht realisiertes Projekt Ledoux‘ für den Eingang zum Park von Schloss Bourneville bei La Ferté-Milon, 50 Kilometer nordöstlich von Paris.

Damals im 18. Jahrhundert sollten die Brunnen am Eingangsportal zum Park Bourneville auch als Pferdetränke dienen. Zum Nutzen heutiger E-Automobilität befindet sich auf der Raststätte Aire du Jura eine Tankstelle mit zahlreichen E-Ladesäulen.

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Gebäude-Gruppe mit Ledoux-Nachbau „Porte de Bourneville“ auf der Aire du Jura; E-Tankstelle ebendort. | Fotos: Hermann Lehna
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Säulenportikus mit „Salzgrotte“als Eingang zur Saline von Arc-et-Senans | Foto: Britta Lehna

* Von Ledoux für die utopische Stadt Chaux als Küfer-Werkstatt und Wohnung geplant; auf der Autobahn-Raststätte als Nachbau 1998 errichtet, seit 2015 leerstehend.

Revolutionsarchitektur:
https://de.wikipedia.org/wiki/Revolutionsarchitektur

Claude-Nicolas Ledoux:
https://whoswho.de/bio/claude-nicolas-ledoux.html#

Fachbuch:
Anthony Vidler: Claude-Nicolas Ledoux: Architektur und Utopie im Zeitalter der Französischen Revolution. Zweite und erweiterte Ausgabe, gebundene Ausgabe 2021. ‎168 Seiten, 39,95 Euro, ISBN: 978-3035620795

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