Pascale Hugues: So voller Leben. Über meine Mutter. Roman

hugues so voller leben
Buchcover Rowohlt Verlag: Hugues, So voller Leben

Über ihre Mutter, deren Leben viel zu früh endete, schreibt Pascale Hugues in ihrem neuen Buch. Es ist eine Liebeserklärung an eine Frau, die an einer bipolaren Störung litt und gleichzeitig ein Bild voller Leben der Kindheit und Jugend, wie sie die Autorin in Straßburg und mit ihrer Familie erlebt hat.

Als Kind hat Pascale Hugues nicht verstanden, warum ihre Mutter Yvette so oft weg war. Sie und ihr Bruder wurden dann gut versorgt, meist kam Oma Martha zu ihnen. Es wurde ihnen jedoch nicht gesagt, was mit der Mutter geschehen war. Ihre Depressionen und Psychatrie-Aufenthalte waren ein sorgfältig gehütetes Geheimnis.

Yvette wurde 1929 im elsässischen Colmar geboren. Mal Französin, mal Deutsche, wechselte sie im kriegsgeschüttelten Elsass dreimal die Nationalität, die Sprache und sogar den Vornamen. Später, als erwachsene Frau, schwankte sie zwischen dem Charme der Bourgeoisie und der Verlockung des Aufruhrs, zwischen Patriarchat und Feminismus. Yvettes Leben verlief stets zwischen zwei Polen – wie ihre Krankheit, bipolar. Yvette hat schließlich ihrem Kampf mit der Krankheit ein Ende gesetzt, mit einem Suizid.

Pascale Hugues schreibt liebevoll über das Schicksal ihre Mutter, über ihre eigenen Nachforschungen, die Krankheit besser zu verstehen. Sie berichtet eindrucksvoll, wie sie als Kind eine Antenne für ihre Mutter und deren schnelle Wechsel von Depression zu Überspanntheit entwickelte. Doch wenn es Yvette gut ging, war sie ein liebevoller Mensch, voller Energie und Unternehmungslust.

Die Autorin illustriert das Leben so vieler Frauen aus Yvettes Generation, die mit Tabletten, Schlafmitteln und Likör versuchten, das Leben auszuhalten. Ein Leben, das nicht selbstbestimmt war, das stark von Konventionen, Rollenzuschreibungen, großen Tabus und Depressionen geprägt war. Die 68er Revolution und der Feminismus erreichten diese Frauen nicht mehr.

Während es in „So voller Leben“ einerseits um die schwere Krankheit der Mutter Yvette geht, erzählt Pascale Hugues andererseits auch von der wechselvollen Geschichte des Elsass und ihrer elsässischen Familie. Sie selbst ist in Straßburg geboren und lebt seit vielen Jahren in Berlin. Sie wandelt zwischen den Kulturen, die ihr Leben geprägt haben, und kann spannend davon erzählen.

Fazit:

Pascale Hugues schreibt feinfühlig und liebevoll über Schmerz und Lebensfreude. Wieder ist ihr ein eindrucksvolles Porträt gelungen!

Pascale Hugues: So voller Leben. Über meine Mutter. Roman. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz

Rowohlt 2026, gebundene Ausgabe, 208 Seiten, 23,00 €
ISBN: 978-3-498-00845-1

Nach oben scrollen