
Vier junge Männer aus Madrid fahren in einem Suzuki nach Südfrankreich. Sie wollen bei der Weinlese arbeiten, Erfahrungen sammeln und Geld verdienen. Was sie dabei erleben, hat Munir Hachemi in seinem Roman „Lebendige Dinge“, einem Öko-Thriller, verarbeitet.
Die Studenten Munir, G, Ernesto und Álex reisen in den Semesterferien von Madrid nach Südfrankreich, um einen Job zu suchen. Von den drei üblichen Optionen – Imbissbude an der Mittelmeerküste, in London Sandwiches schmieren oder Weinlese in Südfrankreich – wählen sie die letztere. Im Gepäck haben sie auch Musikinstrumente, sogar eine Flamenco-Gitarre.
Doch die Dinge laufen nicht wie erhofft: An ihrem Zielort Aire-sur-l’Adour (das liegt in der Region Nouvelle-Aquitaine) werden keine Helfer bei der Weinernte gebraucht. Stattdessen werden die jungen Leute in einen prekären Job in einer Hühnermastanlage vermittelt. Und sie landen auf einem Campingplatz, wo eine diffus bedrohliche Stimmung herrscht.
Was als hintergründig-ironische Sommerkomödie über hochfliegende Jungs-Träume beginnt, wandelt sich zu einem fesselnden politischen Roman über das Grauen einer Industrie, die massenhaft „Lebendige Dinge“ produziert. Dabei kommen auch Menschen zu Tode.
Da drei von den vier jungen Männern unbedingt Schriftsteller werden wollen, nimmt das Thema „Autor sein“ und allgemeine Erzähltheorie immer wieder etwas Raum ein. Das finde ich etwas anstrengend, aber die Handlung ist sehr fesselnd. Der Autor Hachemi soll eigene Erfahrungen verarbeitet haben – die Schilderungen in der Hühnermast sind abstoßend realistisch. Kein Wunder, dass der Ich-Erzähler Munir zum überzeugten Veganer wird!
Munir Hachemi ist Schriftsteller und Übersetzer. Seine ersten Erzählungen hat er als selbstgestaltete Magazine in Madrider Kneipen verkauft. Ich bin gespannt auf weitere Werke von ihm.
Fazit:
Ein packend erzählter Öko-Thriller!
Munir Hachemi: Lebendige Dinge. Roman. Aus dem Spanischen von Matthias Strobel.
Klaus Wagenbach Verlag 2026, broschiert, 160 Seiten, 20,00 €
ISBN: 978-3-8031-3392-2
