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Vézelay: kleiner Ort mit großer Ausstrahlung in Burgund

Nördlich vom grünen Herzen Burgunds, dem Morvan, liegt Vézelay: kleiner Ort – großer Name, mit enormer kultureller und spiritueller Ausstrahlung.

Vézelay

Was soll man noch erzählen zu Vézelay, UNESCO-Weltkulturerbe, Ausgangspunkt der Via Lemovicensis, einem der Pilgerwege nach Santiago de Compostela?

Vézelay stand ja seit eh und je in unseren Träumen als lichtverklärte Gottesburg, vom Glanze ihrer glorreichen Geschichte umstrahlt.*

Der altertümliche Ort (460 Einwohner, im Mittelalter deutlich mehr) besteht eigentlich aus nur einer Straße, die auf dem Rücken der „colline éternelle“, des Hügels der Ewigkeit, hinaufführt zu ihrem Ziel: der großen romanisch-gotischen Kirche Sainte Marie-Madeleine.

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Seltener Anblick: die Hauptstraße von Vézelay ohne Passanten. | Foto: Britta Lehna
Die Kirche

Diese ehemalige Abteikirche, errichtet ab dem frühen 12. Jahrhundert, seit 1920 päpstliche Basilika, ist ein Hauptwerk mittelalterlicher Architektur und Bauplastik. Überaus umfangreich und herausragend ist das figürliche Programm der Portale im Narthex, der Vorhalle, und der Kapitelle im Langhaus der Kirche.

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Im Straßenbelag die Jakobsmuschel als Hinweis auf den Jakobspilgerweg
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Am Ende der Rue St.-Etienne, der Hauptstraße von Vézelay, wird der Glockenturm von Ste. Marie-Madeleine sichtbar. Vorne rechts der Jakobspilger-Empfang. | Fotos: Britta Lehna
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Das rechte = südliche Seitenportal in der Vorhalle: Im Tympanon biblische Szenen um die Geburt Jesu, unten rechts Verkündigung an die Hirten und Geburt.
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In der inneren Archivolte des Hauptportals Darstellungen der Tierkreiszeichen und der Monatsarbeiten: Unten rechts umrahmen zwei Szenen zum Monat Dezember das Zeichen Steinbock, darüber Schütze. | Fotos: Britta Lehna
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Vézelay, Ste. Marie-Madeleine: Blick durch das romanische Langhaus zum gotischen Chor. | Foto: Britta Lehna
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Kapitelle im Langhaus: Anbetung des goldenen Kalbes, Moses mit den Gesetzestafeln (altes Testament)
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Dämonen und Mischwesen | Fotos: Britta Lehna
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Vier Männer mit Blasebälgen: wohl Personifikationen der „vier Winde“
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Der reitende und jagende hl. Eustachius / Hubertus | Fotos: Britta Lehna
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Der Chorabschluss von Ste. Marie-Madeleine in Vézelay mit Chorumgang und Kapellenkranz. | Foto: Hermann Lehna
Maria-Magdalena

Von den Wallfahrten und dem Kult um die Reliquien der Maria-Magdalena profitierte Vézelay ungemein. Verständlich, dass die Mönche des Klosters von Vézelay mit dem Kloster von St.-Maximin-la-Sainte-Baume in der Provence darum stritten, in welchem der beiden die wahren Reliquien der Heiligen aufbewahrt würden. Tatsächlich ranken sich um die schillernde Figur Maria Magdalena zahlreiche Legenden, und vielerlei Vermutungen zu ihrer Person und Bedeutung wurden angestellt. So sei die biblische Heilige übers Mittelmeer nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer geflohen und habe in der Provence noch 30 Jahre gelebt.

Viollet-le-Duc

Das 19. Jahrhundert hat zur Erhaltung der Abteikirche einen entscheidenden Beitrag geleistet. Prosper Mérimée, damals Inspecteur des Monuments historiques, stellt im Jahre 1839 einen erbärmlichen Zustand des Gebäudes fest.

Die Vorhalle von Vézelay, abgestützt. Zeichnung von Eugène Viollet-le-Duc. Er zeigt hier wohl, wie die Kirche vor Beginn der Restaurierung behelfsmäßig gesichert war. Médiathèque de l’Architecture et du Patrimoine | Foto: RMN-Grand Palais

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Mérimée beauftragt den jungen Kunsthistoriker und Architekten Eugène Viollet-le-Duc (1814-1879) mit der Sicherung und Instandsetzung der Kirche (ab 1840). Viollet-le-Duc, später unter anderem verantwortlich für die Restaurierung von Notre-Dame in Paris und der mittelalterlichen Cité von Carcassonne, wagt in Vézelay auch einige Neuschöpfungen, so etwa an der Fassade und dem Glockenturm.

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Zwei Tafeln weisen auf die Aktivitäten von Viollet-le-Duc in Vézelay hin: einmal im Innern der Kirche, einmal an der Außenwand eines Hauses in der Hauptstraße. | Fotos: Britta Lehna
Musée Zervos in der Rue St.-Etienne

Im ehemaligen Wohnhaus von Romain Rolland, Träger des Nobelpreises für Literatur 1915, ist seit 2006 das Musée Zervos untergebracht. Christian Zervos, Kunstkritiker und Herausgeber der Zeitschrift Cahiers d’Art, besaß in unmittelbarer Nähe von Vézelay ein Wohnhaus. Er hat seine hochkarätige Kunstsammlung im Jahre 1970 der Stadt Vézelay vermacht (u.a. Pablo Picasso, Julio Gonzalez, Max Ernst …). Immer wieder finden im Musée Zervos Wechselausstellungen statt.

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Eingang des Musée Zervos, Museum für moderne Kunst, gleichzeitig Maison Romain Rolland, in der Hauptstraße von Vézelay | Foto: Hermann Lehna

Musée Zervos
Rue Saint-Etienne 14
89450 Vézelay
https://www.burgund-tourismus.com/alle-museen/musee-departemental-dart-moderne-collection-zervos

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Anregung des Winzers zum Thema Beten und Genuss in der Hauptstraße von Vézelay; Kleidung mit Kunst-Drucken, ebendort. | Fotos: Britta Lehna
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Am südlichen Seitenschiff von Ste. Marie-Madeleine in Vézelay | Foto: Hermann Lehna

* Rieple, Max: Goldenes Burgund, Bern, 1961, S. 112

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