Nördlich vom grünen Herzen Burgunds, dem Morvan, liegt Vézelay: kleiner Ort – großer Name, mit enormer kultureller und spiritueller Ausstrahlung.
Vézelay
Was soll man noch erzählen zu Vézelay, UNESCO-Weltkulturerbe, Ausgangspunkt der Via Lemovicensis, einem der Pilgerwege nach Santiago de Compostela?
Vézelay stand ja seit eh und je in unseren Träumen als lichtverklärte Gottesburg, vom Glanze ihrer glorreichen Geschichte umstrahlt.*
Der altertümliche Ort (460 Einwohner, im Mittelalter deutlich mehr) besteht eigentlich aus nur einer Straße, die auf dem Rücken der „colline éternelle“, des Hügels der Ewigkeit, hinaufführt zu ihrem Ziel: der großen romanisch-gotischen Kirche Sainte Marie-Madeleine.

Die Kirche
Diese ehemalige Abteikirche, errichtet ab dem frühen 12. Jahrhundert, seit 1920 päpstliche Basilika, ist ein Hauptwerk mittelalterlicher Architektur und Bauplastik. Überaus umfangreich und herausragend ist das figürliche Programm der Portale im Narthex, der Vorhalle, und der Kapitelle im Langhaus der Kirche.










Maria-Magdalena
Von den Wallfahrten und dem Kult um die Reliquien der Maria-Magdalena profitierte Vézelay ungemein. Verständlich, dass die Mönche des Klosters von Vézelay mit dem Kloster von St.-Maximin-la-Sainte-Baume in der Provence darum stritten, in welchem der beiden die wahren Reliquien der Heiligen aufbewahrt würden. Tatsächlich ranken sich um die schillernde Figur Maria Magdalena zahlreiche Legenden, und vielerlei Vermutungen zu ihrer Person und Bedeutung wurden angestellt. So sei die biblische Heilige übers Mittelmeer nach Les-Saintes-Maries-de-la-Mer geflohen und habe in der Provence noch 30 Jahre gelebt.
Viollet-le-Duc
Das 19. Jahrhundert hat zur Erhaltung der Abteikirche einen entscheidenden Beitrag geleistet. Prosper Mérimée, damals Inspecteur des Monuments historiques, stellt im Jahre 1839 einen erbärmlichen Zustand des Gebäudes fest.
Die Vorhalle von Vézelay, abgestützt. Zeichnung von Eugène Viollet-le-Duc. Er zeigt hier wohl, wie die Kirche vor Beginn der Restaurierung behelfsmäßig gesichert war. Médiathèque de l’Architecture et du Patrimoine | Foto: RMN-Grand Palais

Mérimée beauftragt den jungen Kunsthistoriker und Architekten Eugène Viollet-le-Duc (1814-1879) mit der Sicherung und Instandsetzung der Kirche (ab 1840). Viollet-le-Duc, später unter anderem verantwortlich für die Restaurierung von Notre-Dame in Paris und der mittelalterlichen Cité von Carcassonne, wagt in Vézelay auch einige Neuschöpfungen, so etwa an der Fassade und dem Glockenturm.


Musée Zervos in der Rue St.-Etienne
Im ehemaligen Wohnhaus von Romain Rolland, Träger des Nobelpreises für Literatur 1915, ist seit 2006 das Musée Zervos untergebracht. Christian Zervos, Kunstkritiker und Herausgeber der Zeitschrift Cahiers d’Art, besaß in unmittelbarer Nähe von Vézelay ein Wohnhaus. Er hat seine hochkarätige Kunstsammlung im Jahre 1970 der Stadt Vézelay vermacht (u.a. Pablo Picasso, Julio Gonzalez, Max Ernst …). Immer wieder finden im Musée Zervos Wechselausstellungen statt.

Musée Zervos
Rue Saint-Etienne 14
89450 Vézelay
https://www.burgund-tourismus.com/alle-museen/musee-departemental-dart-moderne-collection-zervos



* Rieple, Max: Goldenes Burgund, Bern, 1961, S. 112





