Die Altstadt von Straßburg – französisch Strasbourg – ist als Highlight bekannt.
Ebenfalls einen Besuch wert ist die Neustadt der elsässischen Metropole. Sie wird auch „deutsches Viertel“ genannt: Monumentale Alleen und prächtige Gründerzeithäuser prägen dieses Viertel, welches seit 2017 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.


Nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 wurde Elsass-Lothringen Teil des Deutschen Reichs. Der Reichskanzler Otto von Bismarck ordnete den Wiederaufbau der kriegsbeschädigten Stadt an. Straßburgs Fläche sollte verdreifacht werden, unter anderem mit einem neuen Stadtteil nordöstlich der großen Insel mit dem historischen Stadtkern. Der Architekt Jean-Geoffroy Conrath wurde mit der Planung beauftragt. Damals war das Projekt eine Manifestation der modernen Zeit.

Monumentalbauten an der Place de la République


Kernstück der Neustadt ist der große runde Platz „Place de la République“ mit viel Grün und dem Straßburger Kriegerdenkmal. An diesem Platz reihen sich imposante Bauten des öffentlichen Lebens aneinander: Palais du Rhin (ehemals Kaiserpalast); die zwei Blöcke der Verwaltungsbehörde Préfecture administrative, die den Beginn der Avenue de la Paix flankieren; die Bibliothèque Nationale-Universitaire mit mächtigem Glaskuppeldach; das Théâtre National de Strasbourg mit ehemaliger Kutschenauffahrt (heute hält hier die Straßenbahn).
Stilmix der Gründerzeitarchitektur
Die Avenue de la Paix und die Avenue des Vosges bilden zwei Hauptachsen der Neustadt. Zu ihren Seiten schließen sich Straßenzüge an, die ebenfalls aus der Gründerzeit stammen.

Hier kann man die verschiedenen Bau- und Dekorationsstile dieser Epoche studieren: Neoklassizistische Fassaden oder Jugendstilhäuser zum Beispiel.






Ein ganz besonderes Gebäude ist das „ägyptische Haus“ in der Rue du Général Rapp. Der Architekt Franz Scheyder aus Schiltigheim (Vorort von Strasbourg) hat es im Jahr 1905 gebaut, in Zusammenarbeit mit dem Dekorationsmaler Adolphe Zilly.
Der Hauptbahnhof – ebenfalls Teil des Baubooms nach 1871

Der Rundgang lässt sich westwärts zum Hauptbahnhof fortsetzen. Die Gare Centrale stammt ebenfalls aus der Bauzeit der Neustadt. Heute ist sie mit einer modernen vorgesetzten Glasfassade versehen. Zum Wiederaufbau nach dem Krieg von 1870/71 gehörte auch die Anbindung an die Infrastruktur jenseits des Rheins und die Ansiedlung von Industrie.


Mehr als 17 Millionen Reichsmark kostete dieser Bauboom. Er wurde als Reparationszahlung von den Straßburger Bürgern geleistet. Zwischen 1870 und 1915 stieg die Bevölkerungszahl von Strasbourg von 80.000 auf 180.000 Einwohner.
Einst war die Neustadt als deutsches Viertel wenig geschätzt. Heute ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Strasbourg und eine touristische Attraktion.
– Das Tourist Office Strasbourg stellt die Neustadt vor:
https://www.visitstrasbourg.fr/de/entdecken/highlights/die-neustadt
– Elsass und Deutschland, eine wechselvolle Geschichte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsland_Elsa%C3%9F-Lothringen
– Die deutsch-französische Autorin Pascale Hugues schreibt in diesen Büchern über ihre Familie, ihre Wurzeln im Elsass und ihr Leben in Straßburg:
Pascale Hugues: So voller Leben. Über meine Mutter. Roman
Pascale Hugues: Mädchenschule
Sehr lesenswert auch:
Pascale Hugues: Marthe und Mathilde, Rowohlt Verlag, 2010




