
Drei Frauen bestimmen das Leben und das Werk des Künstlers Henri Matisse wesentlich: Amélie, seine langjährige Ehefrau, Marguerite, seine Tochter aus einer vorherigen Beziehung, sowie Lydia, die Assistentin und Wegbegleiterin seiner späten Lebensjahre. Von diesen drei Frauen erzählt Sophie Haydock in ihrem Roman „Die drei Farben der Liebe“.
Dabei stehen weniger Matisses Werke im Vordergrund, sondern vielmehr sein privates Umfeld: Amélie und Henri lernen sich bei einem Hochzeitsdîner in Paris im Jahr 1897 kennen. Sie ist fasziniert von seiner unkonventionellen Art und seinem starken Drang, sich als Maler zu verwirklichen. Die beiden heiraten und reisen nach London. Bald kann Amélie ihren Mann nicht mehr auf seinen Reisen begleiten, sie wird Mutter von zwei Söhnen. Über viele Jahre lang ist sie darauf bedacht, den Künstler in seinem Schaffen zu unterstützen. Weibliche Modelle kommen ins Haus, und Amélie muss ihren Mann mit ihnen teilen. Matisse braucht stets Frauen, die Sekretärin, Haushälterin oder Muse sind.
Als Lydia, eine junge russische Geflüchtete, eine immer stärkere Stütze für Henri Matisse wird, stellt Amélie ihm eifersüchtig ein Ultimatum – und verlässt ihn schließlich. Lydia hingegen wird Henri Matisse bis zu seinem Tod im Jahr 1954 begleiten. Der Roman spielt zwischen Paris und der Côte d’Azur, schildert die Kunstbewegung der 1930er Jahre und erklärt unter anderem, wie es zu dem Begriff der „Fauves“ kam.
Die Matisse-Kinder: Während die Söhne versuchen, aus dem Schatten des berühmten Vaters herauszutreten, entwickelt sich seine Tochter Marguerite als eine weitere Helferin von Henri Matisse. Während der deutschen Besatzung engagiert sich ein Teil der Familie in der Résistance. Henri Matisse hingegen realisiert erfolgreich neue Kunstprojekte.
Die Autorin Sophie Haydock hat einen interessanten Fokus auf die Matisse-Familie gewählt. Wie ist das Leben für die Anderen, wenn eine Person die ganze Energie auf sich zieht? Was hat der große Künstler seinen Leuten mitgegeben? Das wird aus der Sicht der drei Frauen beleuchtet.
Fazit:
Ein ganz anderer Blickwinkel auf Henri Matisse, spannend zu lesen!
Sophie Haydock: Die drei Farben der Liebe. Roman. Aus dem Englischen von Cornelia Röser
Hoffmann und Campe 2026, Hartcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 26,00 €
ISBN: 978-3-455-02203-2
