
Dieser Familienroman beginnt mit einer Irrfahrt: Ein Franzose verlässt im Jahr 1873 seine Heimat, ein kleines Weingut im französischen Lons-Le-Saunier, nachdem die Reblaus wie überall in Europa seine Reben zerstört hat. Eigentlich will er nach Kalifornien, doch krankheitsbedingt landet er in Santiago de Chile. Mit 30 Francs und einem einzigen gesunden Weinstock in der Tasche wagt er einen Neuanfang als Winzer. Und durch ein Missverständnis erhält er auch einen neuen Namen: Lonsonier. Der Roman von Miguel Bonnefoy erzählt die Geschichte von vier Generationen einer französisch-chilenischen Familie.
Dabei flicht der Autor immer wieder Themen der Weltgeschichte ein: Lazare Lonsonier, der Sohn des Immigranten, liest in einer französischen Zeitung vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Er und seine beiden Brüder melden sich aus nationaler Verbundenheit als Soldaten. Aus den französischen Schützengräben kehrt nur Lazare zurück. Auch im Zweiten Weltkrieg steht ein Familienmitglied der Lonsoniers der französischen Nation bei: Margot, die mutige Pilotin.
Viele Figuren bevölkern den Roman „Der Flug des Kondors“. Miguel Bonnefoy erzählt von ihnen teilweise im Stil des magischen Realismus. Diese Passagen haben mich nicht so mitreißen können. Andere, wie die Schilderung der Militärdiktatur in Chile, haben mich gefesselt. Insgesamt habe ich den Roman gerne gelesen. Ein Kondor kommt natürlich auch drin vor sowie eine ganze Vogelwelt in einer riesigen Voliere.
Fazit:
Ein spannender und atmosphärisch dichter Roman, der vier Generationen, 100 Jahre und zwei Kontinente umspannt.
Miguel Bonnefoy: Der Flug des Kondors. Roman. Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig
Eisele Verlag 2026, Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 24,00 €
ISBN: 978-3961612901
