Am Rande der Innenstadt von Reims steht unübersehbar groß die ehemalige Abteikirche Saint-Remi. Demgegenüber erscheint Notre-Dame-de-la-Paix winzig, ist aber auf ihre Art großartig: Die Kapelle mit den Wandgemälden von Léonard Foujita in ihrem Innern.
Die Basilika St.-Remi
Saint-Remi liegt südöstlich des Stadtzentrums von Reims. Über der Grabstätte des Bischofs von Reims, Remi, Remigius († 533), entstand in mehreren Bauphasen vom 11. bis 15. Jahrhundert die Abteikirche und Basilika Saint-Remi.


Remi hatte den fränkischen König Clovis, Chlodwig, wohl im Jahr 496 getauft. In der Benediktiner-Abtei wurde jahrhundertelang das heilige Öl zur Salbung der französischen Könige bei der Krönung aufbewahrt. Während der französischen Revolution wurde das Kloster 1792 aufgehoben.
Die Kirche mit romanischen und gotischen Bauteilen hat eine Außenlänge von 126 m, das Mittelschiff ist 25 m hoch (zum Vergleich die Kathedrale von Reims: 149 zu 38 m). Neben der ehemaligen Abteikirche Saint-Nicaise (abgebrochen 1799, an ihrer Stelle heute die Champagnerkellerei Taittinger) und der Kathedrale Notre-Dame ist sie eine der drei – nach dem Verlust von St.-Nicaise nunmehr zwei – großen Kirchen in Reims.
Die romanische Kirche des 11. Jahrhunderts hatte einen offenen Dachstuhl; die Gewölbe wurden erst am Ende des 12. Jahrhunderts eingezogen. Kurz zuvor waren ein gotischer Chor mit Chorumgang und Kapellen sowie eine neue Fassade errichtet worden. Im Ersten Weltkrieg zerstörte deutscher Beschuss große Teile der Kirche; ungünstige Witterung verursachte weitere Schäden. Erst nach langen Jahren der Restauration und Rekonstruktion war St.-Remi 1958 wiederhergestellt.

Betritt man das Mittelschiff vom Hauptportal aus, empfängt einen ein großartiger Raum: im Chor oberhalb des Mausoleums von Saint Remi leuchten die wunderbaren Glasfenster aus dem Mittelalter.




Die Kapelle Notre-Dame-de-la-Paix
Außerhalb des Stadtzentrums von Reims gleich neben der Champagnerkellerei Mumm befindet sich in einem kleinen ummauerten und begrünten Bereich die Kapelle Notre-Dame-de-la-Paix, Unsere liebe Frau vom Frieden. Sie ist ein spätes Werk des japanisch-französischen Malers Léonard Foujita (1886 Tokio – 1968 Zürich). Der Künstler nahm 1959 in Reims, nach einem spirituellen Erlebnis in Saint-Remi, den katholischen Glauben an. Er ließ sich auf den Namen Léonard taufen.

Nach Foujitas Vorstellungen plante der Architekt Maurice Clauzier eine Kapelle in romanischen Stilformen und weitere Kunstschaffende realisierten Skulptur und Glasmalerei.
Die figurativen Fresken an den Innenwänden schuf Foujita selbst, im Alter von 80 Jahren! 1965 begonnen, konnte die Kapelle schon am 1. Oktober 1966 geweiht werden.

Die Wandbilder ziehen sich um den ganzen Raum herum:
Auf der Eingangswand: die Kreuzigung Jesu
https://musees-reims.fr/oeuvre/la-crucifixion-187181807107473030
Gegenüber am Altar: Notre-Dame-de-la-Paix, umgeben von zahlreichen Figuren
https://musees-reims.fr/oeuvre/notre-dame-de-la-paix
darüber monumental: Gottvater inmitten der vier Evangelistensymbole.
An den Seitenwänden sind hervorzuheben:
Einerseits die Darstellung von Notre-Dame-des-Vendanges, Unsere liebe Frau von der Weinlese
– Maria, das Jesuskind und begleitende Weinleserinnen halten Weintrauben hoch und sitzen vor einer weiten Landschaft, im Hintergrund die Kathedrale von Reims und die Basilika St.-Remi. https://musees-reims.fr/oeuvre/notre-dame-des-vendanges-732153274262681248
Andererseits, gegenüber von dieser lieblichen Szene, die packende Inszenierung der Sept Péchés capitaux, der Sieben Todsünden – Jesus ist dicht umgeben von grotesken Figuren, die die Todsünden darstellen und die ihn bedrängen.
https://musees-reims.fr/oeuvre/les-sept-peches-capitaux-314907202829540045
Hinweis: Die Werke Foujitas unterliegen dem Urheberrecht; daher sind im obigen Text lediglich Links angegeben. Sie verweisen auf die Abbildungen, die die Museen in Reims zur Anschauung auf ihrer Website eingestellt haben.
Zum Leben und Werk des Künstlers Léonard Foujita:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tsuguharu_Foujita
Notre-Dame-de-la-Paix „Chapelle Foujita“
Rue du Champ de Mars 33, 51100 Reims
https://musees-reims.fr/fr/musees/la-chapelle-foujita
Die Kapelle ist geöffnet von Anfang Mai bis Ende September; Öffnungszeiten im Einzelnen siehe o. a. Website (Horaires).
Weitere Beiträge zu Reims auf unserer Website nachfrankreich.de:
– Reims: die gotische Kathedrale, ein mächtiges Symbol
– Reims genießen: schöne Plätze, Art Déco und Champagner




