Am Unterlauf der Seine haben Fans der romanischen Architektur zwei Adressen auf ihrer Agenda: Jumièges und das Dorf St.-Martin de Boscherville mit seiner Klosteranlage St.-Georges.

Jumièges
„La plus belle ruine de France“ genannt, begeistert die ehemalige Benediktinerabtei Jumièges mit ihrer Kirchenruine Notre-Dame, den weiteren Klostergebäuden und dem umgebenden Landschafts-Park. Gegründet wurde sie im 7. Jahrhundert n. Chr. vom heiligen Philibert. Von den Wikingern verwüstet, lag das karolingische Kloster brach, und erst im 11. Jahrhundert unter dem Abt Robert de Jumièges gelingt der Wiederaufbau. 1067 weiht der Erzbischof von Rouen die große Klosterkirche in Anwesenheit des Normannen-Herzogs Guillaume le Conquérant. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts nach der Eingliederung der Normandie ins französische Königreich wird ein gotischer Chor errichtet.



Nach einer wechselvollen Geschichte der Abtei verlassen im Revolutionsjahr 1790 die 18 letzten Mönche ihr Kloster und dieses wird verkauft. Es dient in der Folge als Steinbruch und Wohnsitz, wird ab Mitte des 19. Jahrhunderts aber nicht weiter zerstört, sondern der Baubestand gesichert und 1918 zum Monument historique erklärt.


Die imposanten Gebäude, der Park mit seinen mächtigen Bäumen und die Lage in der erholsamen Flusslandschaft sind einzigartig.
Rue Guillaume le Conquérant 24
76480 Jumièges
Öffnungszeiten und Eintrittspreise siehe Website:
https://www.abbayedejumieges.fr/
oder
https://www.seine-maritime-tourisme.com/destination/nature-sensation/les-destinations-de-charme/jumieges
St.-Georges de Boscherville

Vier Hektar Gartengelände umgeben die verbliebenen Gebäude der einstigen Benediktinerabtei St.-Georges im kleinen Ort St.-Martin-de-Boscherville an der Seine unweit von Rouen. Die 70 Meter lange ehem. Abteikirche, errichtet zu Beginn des 12. Jahrhunderts, ist ein Schulbeispiel der normannischen Romanik.

Der wuchtige Vierungsturm überragt das Ensemble. Die Kirche wirkt wie aus einem Guss und weist im Innern zahlreiche figürliche Kapitelle auf.



Gleich neben der Kirche überrascht der romanisch-gotische Kapitelsaal (12. Jh.) durch seine Höhe (12 m), das elegante Gewölbe und die reiche ornamentale und figürliche Bauplastik.


Den besten Überblick über den Garten (ursprünglich angelegt im 17. Jahrhundert, nun rekonstruiert, u.a. mit Heckenlabyrinth), die Klostergebäude und das weite Tal der Seine hat man vom Gartenpavillon aus – am Rande der oberen Gartenterrasse.


Beitragsbild ganz oben: Jumièges, Abteikirche, Emporenfenster




