andorra casa de la vall

In den Pyrenäen über die Grenze nach Andorra

Wer in den zentralen Pyrenäen unterwegs ist, sollte auch jenseits der Grenze Andorra besuchen. Der kleine Staat ist von hohen Berggipfeln umgeben. Enge Täler mit kurvigen Straßen und romanischen Kirchen, Apartmentbauten und Shoppingmalls kennzeichnen die Landschaft. Franzosen schätzen die Fahrt nach Andorra, um Sport zu treiben oder steuerfreie Einkäufe zu machen.

andorra St Marti de la Cortinada
Tor zum Kirchhof von Sant Martí de la Cortinada im Tal von Ordino | Foto: Britta Lehna

Gebirgspass Port d’Envalira und Grenzort Pas de la Casa

andorra port d'envalira
Der Gebirgspass Port d’Envalira mit grandioser Gebirgswelt, Tankstelle und Beschilderung für Radsportler. | Foto: Hermann Lehna

Aus Richtung Toulouse kommend, führt die Straße (N22) durch das Ariège-Tal über den Kurort Ax-les-Thermes und die Dörfer Mérens-les-Vals und L’Hospitalet-près-l’Andorre über den Pass Port d’Envalira nach Andorra hinein. Der Port d’Envalira (auch Col d’Envalira) ist mit seinen 2408 m der höchste Straßen-Gebirgspass in den Pyrenäen und ganzjährig befahrbar. Er verbindet das Tal der Ariège im Norden mit dem des Riu Valira im Westen. Die steile und kurvenreiche Pass-Straße ist immer wieder Etappe der großen Radrennen „Tour de France“ und „Vuelta a España“.

Die erste Siedlung auf andorranischer Seite ist Pas de la Casa. Hier stand ursprünglich eine Hirtenhütte, heute zählt der Ort über 2000 Einwohner. Zahlreiche Apartment- und Hotelanlagen nehmen die Wintersportgäste auf. Pas de la Casa gehört zum großen andorranischen Skigebiet Grand-Valira mit über 200 km Skipisten. Tagesgäste kommen hierher, um steuerbegünstigt einzukaufen. Der französische Zoll jedoch kontrolliert die importierten Tabak- und Alkoholmengen streng.

andorra els pessons
Das Gebiet Els Pessons unterhalb des Port d’Envalira, hier mit April-Schnee, ist im Sommer beliebtes Wandergebiet. | Foto:Britta Lehna

Romanische Kirche Sant Joan de Caselles

andorra sant joan de caselles
Sant Joan de Caselles, eine der kleineren romanischen Kirchen in Andorra. | Foto:Britta Lehna

In Andorra haben sich einige romanische Kirchen erhalten. Ein besonders schönes Beispiel ist Sant Joan de Caselles beim Dorf Canillo. Die Kirche wurde im 11./12. Jahrhundert erbaut. Sie hat einen viereckigen Glockenturm im lombardischen Stil. Im Innern befindet sich eine Wandmalerei aus dem 12. Jahrhundert, mit einer Darstellung des gekreuzigten Christus aus Stuck (Fragmente) sowie ein Altar-Retabel aus dem 16. Jahrhundert. Die kleine Kirche ist regulär nur Juli/August geöffnet.

https://museus.ad/fr/monuments/sant-joan-de-caselles

andorra sant joan de caselles
Im Innern von Sant Joan de Caselles überraschen die außergewöhnlichen Austattungsstücke. | Fotos: Britta Lehna
andorra sant joan de caselles, altar

Pilgerkirche Santuari de Maritxell

andorra meritxell
Tiefblick auf die Anlage des Santuari de Meritxell | Foto: Britta Lehna

Das Santuari de Meritxell (Heiligtum Unserer Lieben Frau von Meritxell) liegt in Meritxell, einem Ortsteil der andorranischen Gemeinde Canillo. Die Jungfrau von Meritxell gilt als Schutzpatronin der Täler von Andorra.

Die ursprüngliche Kapelle war romanisch, im 12. Jahrhundert erbaut. 1972 fing die Kirche in der Nacht nach dem Nationalfeiertag (8. September, Fest der Geburt Mariens) Feuer und wurde zerstört. Heute kann man in dem wiederhergestellten Teil des Gebäudes eine Ausstellung über die Geschichte des Ortes besichtigen.

andorra meritxell
Die alte Kapelle von Meritxell | Foto: Britta Lehna

Am 8. September 1974 wurde an benachbarter Stelle mit dem Neubau des Santuari de Meritxell begonnen. Der spanische Star-Architekt Ricardo Bofill (der auch das Stadtviertel „Antigone“ in Montpellier entworfen hat) entwickelte hier einen wesentlich größeren Gebäudekomplex, der historische Bezüge wie Rundbögen mit postmodernem Design vereint. Das Santuari de Meritxell wurde am 8. September 1976 geweiht.

andorra meritxell
Meritxell, Partie der Wallfahrtskirche nach Entwürfen von Ricardo Bofill. | Foto: Britta Lehna
andorra meritxell
Meritxell, Teil der „Ruta mariana“, zu der u.a. auch die Wallfahrtsorte Lourdes und Montserrat gehören. | Foto: Hermann Lehna
andorra
Im Tal des Gebirgsbachs La Valira del Nord nördlich von Ordino. | Foto: Britta Lehna

Ordino

andorra ordino
Der alte Ortskern von Ordino | Foto: Britta Lehna

Ordino ist eine der sieben Verwaltungseinheiten Andorras, der „parròquies“. Die Gemeinde erstreckt sich auf 90 km², die Kleinstadt Ordino liegt auf 1298 m Höhe. Hier sind noch viele historische Bauten erhalten. Ein Spaziergang durch den malerischen Ort lohnt sich.

andorra ordino kirche
Marienfiguren in der Pfarrkirche von Ordino| Foto: Hermann Lehna
andorra ordino casa areny-plandolit
Das Museum Casa Areny-Plandolit in Ordino | Foto: Britta Lehna

Sehenswert ist das zum Museum umgestaltete Herrenhaus Areny-Plandolit (17./19. Jahrhundert). Das Museum zeigt Haushaltsgegenstände und Möbel, die den Lebensstil dieser Familie und ihren sozialen Status im 19. Jahrhundert widerspiegeln. Die Familie Areny-Plandolit war bedeutsam in der frühindustriellen Eisenverhüttung Andorras und auch in der Politik tätig.

https://museus.ad/fr/musees/musee-casa-d-areny-plandolit

andorra ordino casa areny-plandolit
Schmiedeeisernes Balkongitter an der Casa Areny-Plandolit | Foto: Hermann Lehna

Andorra la Vella

Die Hauptstadt Andorras (22.000 Einwohner) liegt auf mehr als 1000 Meter Meereshöhe. Das enge Hochtal ist dicht mit Apartmentblöcken, Verwaltungsgebäuden und Einkaufszentren bebaut. Auf der Hauptstraße Avinguda de Meritxell reihen sich auf knapp einem Kilometer die Geschäfte aneinander. Alkohol, Tabak, Mode, Parfum und Elektronik verheißen wegen der niedrigen Steuersätze gute Schnäppchen. Im unmittelbar angrenzenden Ort Escaldes-Engordany setzt sich die Einkaufsstraße „The Shopping Mile“ fort.

andorra shopping mile
Shopping Mile 1 … | Foto: Hermann Lehna
andorra shopping mile
… Shopping Mile 2 | Foto: Britta Lehna

Von einer Altstadt ist kaum etwas zu sehen. Doch die Casa de la Vall ist ein Schmuckstück: Seit Jahrhunderten tagt Andorras Parlament in diesem Anwesen aus dem 16. Jahrhundert. Heute finden die Sitzungen überwiegend in einem benachbarten Neubau statt.

andorra casa de la vall wappen
Das alte andorranische Landeswappen an der Casa de la Vall in Andorra la Vella | Foto: Hermann Lehna
andorra consell general und set poetes
In Andorra la Vella: Der moderne Sitz des Landesparlaments Consell General. Davor die plastische Installation SET POETES des katalanischen Künstlers Jaume Plensa aus dem Jahre 2014. Die sieben sitzenden „Poeten“ werden als Darstellung der sieben Verwaltungseinheiten des Landes gesehen. | Foto: Hermann Lehna

Fazit: Ein Ausflug über die Grenze nach Andorra lohnt sich – vor allem wegen der beeindruckenden Natur!

andorra ordino pont l'estarell
Pont de l’Estarell bei El Serrat im Tal von Ordino | Foto: Britta Lehna

nach oben △

Nach oben scrollen