Anne Berest: Vatertage. Roman

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Buchcover Berlin Verlag: Berest, Vatertage

In ihrem neuen Buch „Vatertage“ wendet sich Anne Berest dem väterlichen Ursprung ihrer Verwandtschaft zu. Sie erzählt von der Bretagne in der Nachkriegszeit, den 1968er Jahren, von ihren linksliberalen Eltern und von ihrem eigenen Erwachsenwerden. Dabei flicht sie die private Geschichte in die großen Zeitströme ein.

Schon der Urgroßvater Eugène Berest lebte im Finistère, dem westlichen Teil der Bretagne. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in Saint-Pol-de Léon der Tourismus, und bretonische Produkte wurden auch in Paris begehrt. Die Bauern begannen, sich in Genossenschaften zu organisieren. Urgroßvater Eugène Berest gründete „La Bretonne“, und sein gleichnamiger Sohn machte die Genossenschaft noch einflussreicher. Doch der Vertreter der nächsten Generation, Pierre, hatte andere Pläne. Er wollte auf weiterführende Schulen gehen, wurde Naturwissenschaftler und zeitlebens Forschender. Als Mathematiker widmete er sich dem Phänomen der Bifurkation, einer plötzlichen Veränderung in Systemen.

Pierre Berest heiratete die Linguistin Lélia Picabia, sie bekamen drei Töchter. Die mittlere: Anne Berest. In den Ferien kehrte die Familie stets in die Bretagne zurück.

Anne Berest will mit „Vatertage“ ihrem Vater näher kommen. Stets hat sie das Verhältnis zu ihm als distanziert empfunden. Pierre Berest ist schwer erkrankt, und so beginnt mit ihren Recherchen ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Eltern Berest sind stets unkonventionell gewesen, und sie haben sich auch nicht mitgeteilt.

Spannend zu lesen sind die Kapitel über die Bretagne – die handschriftlichen Aufzeichnungen des Großvaters bieten bestes Archivmaterial. Ebenso interessant sind die Abschnitte über das Studium von Pierre Berest in Paris und sein Engagement in der 1968er Protestbewegung in Frankreich. Erstaunlich ist, dass trotz revolutionärer Änderungen das System der Bildung und des Studiums in Frankreich sich immer noch auf die elitären Einrichtungen in Paris ausrichtet.

Doch die Vaterfigur, der schweigsame Pierre, bleibt in „Vatertage“ nicht so recht greifbar. Anne Berest hat sich als junge Erwachsene zunächst eher der Mode, dem Glamour, dem Flair von Paris zugewandt. Sie liebte einiges, was von ihren Eltern als bourgeois missbilligt wurde. So hat sie sozusagen selbst eine Bifurkation in der Familie eingeführt, um ihren eigenen Weg zu gehen als Schauspielerin, Regisseurin und Schriftstellerin.

Fazit:

Ein kurzweiliger Roman mit viel Zeitgeschichte, in dem viel geraucht wird!

Anne Berest: Vatertage. Roman. Aus dem Französischen von Michaela Meßner und Amelie Thoma.

Berlin Verlag 2026, Hardcover mit Schutzumschlag , 448 Seiten, 25,00 €
ISBN: 978-3-8270-1537-2

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