Léonie d’Aunet: Reise einer Frau in die Arktis.

d'aunet reise
Buchcover mare Verlag: d’Aunet, Reise einer Frau in die Arktis

Léonie d’Aunet, 19 Jahre jung, verspricht im Jahr 1839 bei einem Salongespräch in Paris, ihren nicht anwesenden Verlobten, den Maler François-Auguste Biard, von der Teilnahme an einer Forschungsreise in die Arktis zu überzeugen. Ihre Bedingung ist, dass sie mitkommt – als einzige Frau bei einer sonst männlichen Besatzung. Der Coup gelingt, und so entsteht ein außergewöhnlicher Reisebericht.

Die Reise der jungen Frau startet mit der Kutsche. Sie beobachtet genau und subjektiv, und dies ist schön zu lesen. So bescheinigt sie den Holländern eine große Reinlichkeit, mag aber die Blumenfelder mit den Züchtungen nicht: Holland, dieses „Land der Pingeligen“. Begeistert besucht sie Kunstmuseen, wann immer es möglich ist. Die Mode ist der Autorin immer wieder eine spitze Bemerkung wert. So macht sie „Damen in Schlafröcken“ aus, die im Hamburger Theater eine Vorstellung von „Don Juan“ besuchen. Die „grässliche Haartracht“ der Kielerinnen ist ihrer Meinung nach eine Beleidigung für die Augen.

Je weiter die Reise in den Norden führt, umso mehr rücken die Landschaftsbeschreibungen in den Vordergrund. Absoluter Höhepunkt ist natürlich der Aufenthalt in Spitzbergen, dem Ziel der Reise. Ihr Reisebericht ist ihren ganz persönlichen Beobachtungen gewidmet, kaum finden ihr Verlobter und die Wissenschaftler der Expedition Erwähnung.

In neun Briefen berichtet Léonie d’Aunet an ihren Bruder, so der Rahmen der Reiseschilderung. Fast ein Jahr lang dauert die Expedition. Auszüge erscheinen schon bald nach der Rückkehr von d’Aunet, doch erst 1854 wird ihre Reisebeschreibung als Buch publiziert.

Jetzt hat der mare Verlag sie erstmals in deutscher Übersetzung herausgegeben. Die Kommentare der Übersetzerin Birgit Leib und das Nachwort von Kristina Maidt-Zinke unterstützen dabei, die Besonderheiten kulturhistorisch einzuordnen. Im Bucheinband zeigt eine Landkarte die Reiseroute.

Interessant ist auch zu erfahren, wie es der Autorin nach der Reise ergangen ist: die Heirat mit dem eifersüchtigen Maler, eine Affäre mit Viktor Hugo, ein Inhaftierung und vieles mehr. Vom Skandal umwittert, wurde dieses Werk das bekannteste von Léonie d’Aunet.

Fazit:

Es ist so spannend zu lesen, wie diese junge Reisepionierin unerschrocken in die Arktis aufbricht, sich weder von ungemütlichen Wetterbedingungen, von Stürzen oder anderen Herausforderungen aufhalten lässt. Dieses Buch lesend, bin ich ganz weit weg, in eine andere Zeit eingetaucht gewesen!

Léonie d’Aunet: Reise einer Frau in die Arktis. Aus dem Französischen von Birgit Leib, mit einem Nachwort von Kristina Maidt-Zinke.

mare 2024, Leineneinband mit Schuber, 352 Seiten, 34,00 €
ISBN: 978-3-86648-687-4

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