Colombe Schneck: Lügen im Paradies. Roman

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Buchcover Rowohlt Verlag: Schneck, Lügen im Paradies

Colombe Schneck begibt sich auf eine Zeitreise: Sie verbrachte jedes Jahr in den Ferien zwei Monate zusammen mit anderen Kindern in den Schweizer Bergen, in einer Art Bootcamp, genannt „Home“. Dreißig Jahre später will sie das Kindheitsidyll ihrer Erinnerung überprüfen. Sie fährt in die Schweiz, trifft Menschen von damals wieder und recherchiert, was aus den Kindern der Herbergseltern geworden ist. Es geht um Glück, geplatzte Erinnerungsblasen, schmerzhafte Wahrheiten.

Dreißig Jahre lang hatte Colombe sich schöne Erinnerungen an die Ferienwochen in der Schweiz bewahrt. Doch dann erfährt sie vom Schicksal des Sohnes Patou und der Tochter Vava der dortigen Herbergseltern: Patou wurde bei der Beerdigung seines Vaters verhaftet und inhaftiert, Vava erkrankte psychisch. Wie ging es in dieser Familie tatsächlich zu?

Sie beginnt, ihr Ferienidyll zu hinterfragen. Gedächtnisfetzen von eiskalten Tagen mit Wintersport tauchen auf, strapaziöse Wanderungen, strenge Regeln; liebevolle Gesten der Gastmutter Anne-Marie, aber auch kühles und forderndes Verhalten den eigenen Kindern gegenüber, die schon früh das Familienunternehmen unterstützen mussten. Der Austausch mit ehemaligen Gästen des „Home“ ergänzt Colombes Recherchen. Die Ehemaligen, das waren Kinder und Jugendliche aus aller Welt, alle aus gutem Hause, alle aus kaputtem Elternhaus. Colombe Schneck entdeckt die Lügen im Paradies.

Auch über ihre eigenen, jüdischen Eltern denkt Colombe nach, die sich distanziert zu ihr verhielten, geprägt von ihrer eigenen traumatischen Kindheit. Colombe berichtet von ihrem Leben als Erwachsene, von ihrer gescheiterten Ehe und einem Neuanfang.

Fazit:

Colombe Schneck erzählt von Glück und Versagen. Unsere Erinnerungen sind trügerisch, das zeigt das Beispiel Ferienidylle deutlich. Zu umfangreich, zu dramatisch ist der Sidekick zum Leben von Patou und Vava, das hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht.

Colombe Schneck: Lügen im Paradies. Roman. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz

Rowohlt 2025, Hardcover mit Schutzumschlag, 160 Seiten, 24,00 €
ISBN: 978-3-498-00724-9

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