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Im Musée d’Arts de Nantes: Drei Gemälde mit Frauen

Aus der Abteilung 19. Jahrhundert des Kunstmuseums Musée d’Arts de Nantes möchten wir drei Gemälde mit Frauen in chronologischer Reihenfolge kurz vorstellen und Hinweise auf vertiefende Internet-Quellen geben. Bei allen Bildern handelt es sich um Darstellungen von Frauen, die in jeweils sehr unterschiedlichen Zusammenhängen in Erscheinung treten. Schaut selbst!

Ingres: Mme de Senonnes

Jean-Auguste-Dominique Ingres, geboren 1780 in Montauban, malte im Jahre 1814 in Rom das Porträt der dreißigjährigen Marie Marcoz, der zukünftigen Mme de Senonnes (Öl auf Leinwand, 106 x 84 cm). Das Dreiviertelporträt ist ein Meisterwerk der klassizistischen Bildnismalerei.

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Ingres: Marie Marcoz (Mme de Senonnes), 1814. Nantes, Musée d’Arts | Foto: via Wikimedia Commons, gemeinfrei

Die Porträtierte blickt nach vorne aus dem Bild heraus. Sie sitzt zwischen fülligen Kissen vor einem Spiegel, der die Rückenansicht der Figur ermöglicht. Ingres’ Signatur befindet sich auf einem gemalten Zettel, und dieser ist rechts in den Spiegelrahmen geklemmt. Der Reichtum und Luxus der Gesellschaftsschicht, der die Dargestellte angehörte – oder angehören wollte, ist offensichtlich, und von Ingres überdeutlich inszeniert.

Mehr dazu auf den Websites: Wikipedia (frz.) Portrait de Madame de Senonnes und: Panorama de l’Art (frz.) https://panoramadelart.com/analyse/portrait-de-madame-de-senonnes.

Ein weiteres Gemälde von Ingres, nämlich “Portrait de l’architecte Jean-Baptiste Desdéban”, haben wir in einem Beitrag über das Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie in Besançon vorgestellt.
Der Beitrag über Montauban, die Geburtsstadt von Ingres, informiert auch über das dortige Musée Ingres-Bourdelle.

Courbet: Die Kornsieberinnen

Gustave Courbet, geboren 1819 in Ornans, malte im Jahre 1854 „Les cribleuses de blé – Die Kornsieberinnen“ (Öl auf Leinwand, 131 x 167 cm). Dieses Bild von zwei arbeitenden Frauen und einem Jungen hat – für eine Genreszene – ein großes Format. Courbet monumentalisierte den mühsamen Alltag der Menschen, die in der Landwirtschaft beschäftigt waren. Als Sohn eines (wohlhabenden) Landwirts kannte er dieses Milieu aus seiner Heimat in der Franche-Comté.

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Courbet: Les cribleuses de blé – Die Kornsieberinnen, 1854. Nantes, Musée d’Arts | Foto: RMN-Grand Palais

Die kniende mittlere Frau im markant roten Kleid, anonym als Rückenfigur dargestellt, siebt das Getreide. Das von ihr hochgehaltene Sieb bildet den Mittelpunkt des Gemäldes! Die links erschöpft Sitzende verliest das Korn weiter von Hand; neben ihr hat sich eine Katze zum Schlafen niedergelassen. Der Junge rechts schaut in ein Gerät der frühen mechanisierten Landwirtschaft, wohl eine Windfege (frz. Tarare). Die Szene ist unmittelbar nach vorne gerückt, einen tiefen Bildraum gibt es nicht.

Courbets Gemälde wurde schon 1861 vom Kunstmuseum Nantes angekauft.

Mehr dazu auf den Websites: Wikipedia (frz.) https://fr.wikipedia.org/wiki/Les_Cribleuses_de_bl%C3%A9 und: L’histoire par l’image (frz.) https://histoire-image.org/etudes/cribleuses-ble (dort auch Bildvergrößerung und ein Video)

Baudry: Charlotte Corday

Paul Baudry: „Charlotte Corday“ oder „Die Ermordung Marats durch Charlotte Corday“ (Öl auf Leinwand, großformatige 203 x 154 cm, 1860). Das Bild ist in der Nachfolge des ungleich berühmteren Gemäldes von Jacques-Louis David La Mort de Marat – Der Tod des Marat“ (1793, Brüssel, Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique; Abbildung hier) zu sehen.

Das tödliche Attentat auf den radikalen Revolutionspolitiker Jean-Paul Marat am 13. Juli 1793, verübt durch die 24-jährige Adlige Charlotte Corday, wird von Baudry und David auf jeweils völlig unterschiedliche Weise dargestellt.

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Baudry: Charlotte Corday, 1860. Nantes, Musée d’Arts | Foto: RMN-Grand Palais

Ein und dasselbe historische Ereignis, nämlich das Attentat auf Marat:

David, selbst Revolutionär, geht es um die Heroisierung von Marat als Märtyrer und Ikone der Revolution.

Baudry stellt in seinem Bild die Attentäterin in den „Mittelpunkt“: Überlebensgroß, in die Ferne schauend, dominiert sie hoch im Format den niedergestreckten Marat. Dieser liegt nach dem Messerangriff tot in seiner Badewanne. Beide Figuren sind in Baudrys Gemälde weitestmöglich voneinander entfernt.
Und zwischen ihnen an der hinteren Wand hängt die Landkarte Frankreichs, die sie trennt – oder verbindet.

Mehr dazu auf den Websites: Wikipedia (frz.) Charlotte Corday und: Wikipedia (dt.) https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tod_des_Marat#Nachleben

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