Offranville im Pays de Caux: tausendjährige Eibe, Park mit Taubenturm und Maler Jacques-Emile Blanche

Land des Kalks bedeutet Pays de Caux in der Normandie. Hier gibt es im Hinterland schöne Orte zu entdecken wie Offranville mit der alten Eibe, einem Taubenturm Colombier im großen Park sowie den Maler Jacques-Emile Blanche, der einst die VIPs von Paris porträtierte.

Eibe oder Kirchturm

Vielleicht stehen die tausendjährige Eibe und der benachbarte Kirchturm mit der gewundenen Spitze eifersüchtig im Wettstreit miteinander. Wer ist denn von beiden die bedeutendere Sehenswürdigkeit in Offranville?

– Der 45 m hohe Glockenturm der spätgotischen Pfarrkirche Saint Ouen, mit seiner geschraubten Turmspitze einer der 69 „clocher tors“ in Frankreich, wenn man nach der Zählung des Vereins Les Clochers Tors d’Europe geht, oder

– Die Eibe „if millénaire“, wohl 1.100 Jahre alt, mit einem Umfang des Stamms von 7 m.
Sie wurzelte schon 600 Jahre vor Ort, als nebenan von 1517 bis 1582 die heutige Kirche errichtet wurde. Der Baum entging am 4. Dezember 1914 knapp seinem Untergang, als die Dorfkinder brennende Zündhölzer ins Innere des hohlen Stammes warfen (so wird’s auf dem benachbarten Schild berichtet).
Die Eibe gehört zu den ältesten Bäumen in Frankreich und hat im Département Seine-maritime noch eine betagte Konkurrentin: Die Eiche von Allouville-Bellefosse, einem Dorf in der Nähe von Yvetot im Pays de Caux.

Halte verte – Véloroute du Lin für Radtouristen

Offranville musste seinen Bahnhof aufgeben, als die Bahnstrecke stillgelegt wurde. Aber das Gebäude dient heute als „Halte verte“ auf der Fahrradstrecke Véloroute du Lin. Fahrradreisende finden dort einen Info-Punkt, ein WC, gekühlte Getränke, Picknicktische, Luftpumpenservice. Die „Fahrradstrecke des Leinens“ führt 80 km lang (teils über die ehemalige Bahntrasse) durch das Land des Flachsanbaus von Pourville-sur-Mer nach Fécamp. Sie gilt als leichter zu bewältigende Alternative zur sportlicheren Küstenstrecke „La Vélomaritime – EuroVelo 4“, die die Côte d’Albâtre unmittelbar begleitet.

Véloroute du Lin: https://de.francevelotourisme.com/itineraire/71

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Offranville (Seine-maritime) ist eine lebendige Ortschaft von ca. 3.100 Einwohnern, liegt ca. 5 km landeinwärts von Dieppe und bietet noch weitere Anziehungspunkte:

Der Park beim Taubenturm

offranville colombier - taubenturm
Der runde Taubenturm in Offranville ist einer von fünf Colombiers, die im Ort erhalten sind. Er markiert den Eingang des Parc floral William Farcy | Foto: Hermann Lehna

Der Parc floral William Farcy in der Nähe des runden Taubenturms „Colombier“ besteht seit 1993. Unterschiedliche, abwechslungsreiche Parkräume reihen sich auf einem langgestreckten Areal aneinander.

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Die Birkenallee im Parc floral William Farcy in Offranville | Foto: Britta Lehna
gunnera in offranville
Gunnera, die Blattschmuckstaude im Parc floral William Farcy in Offranville | Foto: Hermann Lehna

Im vorderen Bereich der Parkanlage liegt neben der „Maison du Parc“, einem renovierten Fachwerkgebäude mit Empfang und Café, ein formaler Rosengarten. Am Tag der Eröffnung des Parks hat hier die Nachbarin (nämlich aus Varengeville) und berühmte Pflanzenkennerin Princesse Sturdza eine Strauchrose des Züchters André Eve auf den Namen „Offranville“ getauft.

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Rosengarten im Parc floral William Farcy, Offranville | Foto: Britta Lehna

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Jacques-Emile Blanche, Maler in Offranville

Im Dachgeschoss der Maison du Parc ist das Musée Jacques-Emile Blanche eingerichtet. Der Maler, Schriftsteller, Musiker (1861 Paris – 1942 Offranville) lebte seit 1902 in Offranville. In diesem Museumsraum ist mit Gemälden (Landschaften, Porträts, Interieurs), literarischen Werken, Briefen und Fotografien der Nachlass ausgestellt, den der Künstler der Gemeinde vermacht hat. Die Malweise von Jacques-Emile Blanche ist als impressionistisch zu bezeichnen. Er behielt sie – einmal perfektioniert – lebenslang bei.
Er hatte vielfältige Beziehungen zum „Tout-Paris“ und schuf herausragende Porträts von Mitgliedern dieser exquisiten Gesellschaft. Kult ist z.B. sein Bildnis des zwanzigjährigen Marcel Proust (1892), aufbewahrt im Musee d’Orsay, Paris. Weniger bekannt, aber sehr markant, ist sein Porträt „Jean Cocteau en pied dans le Jardin d’Offranville“ aus dem Jahr 1912. Es zeigt den künstlerisch vielseitigen Jean Cocteau zu Besuch in Blanches Garten in Offranville. Dieses Gemälde hängt im Musée des Beaux-Arts in Rouen, wo den Werken von Jacques-Emile Blanche ein ganzer Raum gewidmet ist: https://mbarouen.fr

j.e. blanche - porträt marcel proust
J.-E. Blanche: Porträt von Marcel Proust, 1892, im Musée d’Orsay, Paris | Foto: RMN-Grand Palais
j.e.blanche - porträt jean cocteau
J.-E. Blanche: Jean Cocteau en pied dans le Jardin d’Offranville, 1912, im Musée des Beaux-Arts, Rouen | Foto: RMN-Grand Palais
offranville kirche innen
Im Innern der Kirche St. Ouen in Offranville | Foto: Hermann Lehna

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